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Sturm des Nordgipfels (Deckstory)

am Fr Nov 10, 2017 10:02 am
Sturm des Nordgipfels

Seit vielen Jahrtausenden leben die Nordmänner und ihre Frauen in den kühlen Berglanden, angrenzend zu ihren etwas kleineren, verbündeten Nachbarn – den Zwergen. Im Nordwesten hingegen stoßen ihre Territorien auf die der ungehobelten Trolle, mit denen es in der Geschichte immer wieder zu Streitigkeiten kam. Durch das Bündnis der stinkigen Riesen mit den Orks, ward es um die Nordgipfel langsam ungemütlich. Und zu allem Übel schien der Landesverwalter und Bürgermeister der Norder nun einer tödlichen Krankheit zum Opfer zu fallen. Eine der vielen weisen Seherinnen verkündete eines Tages, dass nur der Kontakt zu den Donnergöttern das Volk wieder stärken könne und vor den Unruhen der umliegenden Länder schützen würde. Um Kontakt zu den verehrten Donnergöttern der Norder aufzunehmen, bedarf es aber einer umfangreichen Prüfung, mit vielen tödlichen Gefahren. So kam es schließlich, dass der halbgestorbene Bürgermeister mit seinen letzten Atemzügen dazu aufrief, die sieben stärksten Kriegersöhne des Landes auszusenden, die Götteraufgabe zu übernehmen. Ihm selbst half der Aufruf nicht mehr, denn sein Ableben erfolgte unmittelbar im Anschluss. Aber das Volk befolgte den letzten Befehl ihres Führers und sandte genau sieben Kriegersöhne aus. Und auch den sieben entsandten Nachwuchstalenten sollte der Aufruf nicht helfen. Vier erlagen bereits schon ihren Verletzungen, die sie sich im ersten Teil der Götterprüfung zuzogen: Einem Troll im Alleingang den Kopf abschlagen. Die anderen drei bewältigten zumindest diesen Teil der Prüfung. Für sie galt es, den abgeschlagenen Trollhaupt bis zum Gipfel des Donnerberges (dem größten Berg aller Berge) zu bringen, ihn dort zu Verspeisen, ihre Waffe in die Luft zu halten und sich dem ewigen Gewitter, das auf dem Gipfel herrschte zu stellen. Zwei Kriegersöhne starben bei dem Versuch, den Berg zu erklimmen. Der dritte, so munkelt man in den Dörfern, soll es sogar bis zur Spitze des Berges geschafft haben. Allerdings sei er dabei so langsam gewesen, dass der mitgeführte, abgeschlagene Trollkopf bereits vergammelt war und er unmittelbar nach dem Verzehr des Kopfes an einer Lebensmittelvergiftung starb. Die Lage schien aussichtslos, bis sich ein unscheinbarer junger Mann bei einer Dorfkrisensitzung meldete und die Fragen aller Fragen stellte: „Warum sollten eigentlich nur genau sieben Kriegersöhne den Berg besteigen und nicht etwa acht oder neun?“
Einen Moment lang starrten sich alle Gelehrten, Krieger und Frauen gegenseitig an. Nach einem Augenblick peinlicher Stille brach dann ein wildes Gelächter los. Man verspottete den jungen Mann, der den Namen Olaf trug, und gab ihm den neuen Namen: Olaf, der Naivling. Keiner konnte es fassen, dass ein unscheinbarer Junge das Wort eines verstorbenen Politikers in Frage stellte, wo man doch wusste, dass sich Politiker niemals irren konnten. Doch Olaf ließ sich nicht unterkriegen. Er forderte mehrere Stammesherren zum Kampf heraus, um seine mentale Glaubwürdigkeit bei physischen Duellen wieder unter Beweis zu stellen – Das war so üblich bei den Nordern. Und siehe da: Er gewann ein Duell nach dem Anderen. Und so bahnte sich Olaf den Weg zum nächsten Bürgermeister und Landesverwalter der Nordgipfel. Und da es dem Volke noch immer nicht gut ging, veranlasste er erneut, was sein Vorgänger vor seinem Ableben bereits veranlasste: Es sollen weitere Kriegersöhne versuchen, sich der Götterprüfung zu stellen. Nur Olaf erhöhte die Zahl von sieben auf dreizehn. Denn so würde sich die Erfolgschance fast verdoppeln und die Zahl klinge immer noch mystisch genug für die Geschichtsbücher. Und so ließen sich dreizehn Kriegersöhne und sogar -töchter entsenden, den Kontakt zu ihren Donnergöttern zu ersuchen. Und bereits nach wenigen Tagen erreichte den Bürgermeister Olaf die Nachricht: Es seien alle Kinder umgekommen. Nicht einmal die Hälfte hätte es überhaupt geschafft, einen Trollkopf zu ergattern. In diesem Moment stieg Olaf von seinem Thron herab, griff sich einen Krocketschläger vom Sonntagsturnier der Altherren und marschierte aus seinen Hallen. Laut stieß er den legendären Schrei aus: „Muss man hier denn alles allein bewältigen?“, der später noch zum Schlachtruf der Nordmänner werden sollte. Und so wanderte Olaf ins Nachbargebirge zu den Trollen, schlug einem stinkenden Riesen den Kopf ab, was mit einem Krocketschläger nicht allzu leicht war, und lief so schnell es ging mit dem Haupt seines Opfers zum Donnerberg. Dort kletterte er die steilen, vereisten Felsen hinauf. Je näher er dem Gipfel war, desto stärker tobten Gewitterwolken um ihn herum. Da Olaf nicht an einer Lebensmittelvergiftung sterben wollte, wie einer seiner Vorgänger bereits, füllte er den Trollhaupt mit dem kalten Schnee der sich auf den Felsen sammelte. Und nach vielen Tagen des Kletterns und Leidens war es endlich soweit: Der tapfere Krieger erreichte den Gipfel des Donnerberges. Er verspeiste den widerlichen Trollkopf und hätte er zuvor wohl Nahrung im Verdauungstrakt gehabt, so war er sich sicher, wäre sie spätestens beim Trollkopfessen wieder die Speiseröhre hinaufgeklettert und ihm aus dem Hals geschossen. Aber Olaf meisterte auch diesen Teil der Prüfung. Und zu dem lauten Donnern, den grellen Blitzen und dem tobenden Sturm erhob der Landesherr seinen Krocketschläger und streckte ihn gen Himmel. Es dauerte nicht lang, da traf ein Blitz auf Olaf ein und eine tiefe Stimme sprach zu ihm: „Du hast es geschafft! Du hast die Götterprüfung bestanden! Und deine Belohnung wird sein: Dreizehn gottgesandte Kriegersöhne, die dazu beitragen werden, dein Volk vor den umliegenden Gefahren zu schützen!“
„Was?“, entgegnete Olaf in diesem Moment, der sich inmitten dunkler Gewitterwolken befand. „Wir haben insgesamt bereits zwanzig Kriegersöhne geopfert, um die Prüfung zu bestehen!“
Fragend erklang die tiefe Stimme: „Aber… Aber es sollten doch nur maximal sieben geschickt werden!“
„Das hat aber nicht funktioniert…“
„Hm… Nun gut. Ihr bekommt eure zwanzig Kriegersöhne zurück, allesamt gesegnet vom Donnerschlag. Und du selbst wirst den göttlichen Segen bekommen und von nun an selber ein Gotteskind sein. Ab sofort heißt du Olaf, der Donnersohn!“
Ein grelles Leuchten umhüllte Olaf, sodass er nichts anderes mehr wahrnehmen konnte. Und als es verschwand, fand sich Olaf, samt den zwanzig verlorenen Kriegersöhnen in der großen Halle des Rathauses wieder, auf seinem Thron sitzend und vor ihm stand ein erfreutes Volk. Und so floss seither in den Flüssen des Landes Met statt Wasser, das Land ward fruchtbar und so tatens auch die Frauen.
So hat die Tapferkeit eines Einzelnen einem ganzen Volk die Stärke verliehen, die es braucht, um in der Zukunft zu überdauern. Und die Elite-Truppe der zwanzig gesegneten Donnersöhne verlieh dem Militär eine ganz besondere neue Stärke.
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